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Neukonzeption der Zahnradbahn

Die Pilatus-Zahnradbahn wird in den kommenden Jahren neu konzeptioniert. Hautpsächlich geht es um den Ersatz des Rollmaterials. Gleichzeitig erfolgt eine Anpassung des Betriebskonzepts, was Umbauten an den Stationen, insbesondere an der Talstation, nötig macht.
Baubeginn ist im Herbst 2020. Das erste Fahrzeug wird bereits in der Saison 2021 im Einsatz stehen. Auf die Saison 2023 wird der Betrieb umgestellt und das bestehende Rollmaterial definitiv ersetzt.

Projektübersicht

Neues Rollmaterial
Die zehn Personentriebwagen, die heute im Einsatz stehen, wurden entweder 1937 beschafft (PB Bhe 1/2 Nr. 21-28) oder kamen später mit nachzu gleichem technischen Aufbau hinzu (PB Bhe 1/2 Nr. 29 und 30). Nach über achtzig Jahren im Einsatz, sollen diese Triebwagen durch acht neue Fahrzeuge ersetzt werden.
Die neuen Triebwagen können im Gegensatz zum heutigen Rollmaterial zusammengekoppelt werden und verkehren in Doppeltraktion. Ausserdem besitzen die Wagen neu auf beiden Seiten Türen und ein einzelner Wagen verfügt über sechs Abteile für je acht Fahrgäste. Die bisherigen Triebwagen haben fünf Abteile. Das sechste Abteil des neuen Rollmaterials ergibt sich durch den Wegfall der Führerstände. Die Wagenführer sitzen in Zukunft mit sechs Fahrgästen im jeweils vordersten Abteil. Somit bieten die neuen Fahrzeuge in Doppeltraktion 92 Sitzplätze.
Das unterste Abteil wird zudem so ausgelegt, dass der ebenerdige Einstieg möglich und Platz für Rollstuhlfahrer vorhanden ist. Neben den bis zum Boden reichenden Fenster an den Seitenwänden wird auch ein Grossteil des Dachs verglast sein. Damit dürfte sich den Passagieren in Zukunft eine noch spektakulärere Aussicht bieten.
Die neuen Fahrzeuge verkehren mit bis zu 15 km/h bergwärts (heute 12 km/h) und mit 9-12 km/h talwärts (heute max. 9km/h). Damit wird ein 30-Minuten-Takt ermöglicht (heute 40 Minuten).
Neben den acht Personenwagen, wird auch ein neues Güterfahrzeug beschafft. Dank dem Einsatz von Kameras kann auf den Begleiter verzichtet werden. Alle neuen Fahrzeuge verfügen über umfangreiche Überwachungssysteme, die zum Beispiel eine Auffahrkollision verhindern sollen.

Neuer Betriebslablauf
Durch die höheren Fahrgeschwindigkeiten wir neu ein 30-Minuten-Takt umgesetzt. Statt wie bisher mit max. 5-6 Fahrzeugen je Fahrtrichtung wird man zukünftig mit je zwei Doppeltraktionen pro Richtung verkehren. Damit wird die "alte Station" auf Pilatus Kulm nicht mehr für den Fahrgastbetrieb verwendet, sondern nur noch für den Güterumschlag. In der Talstation wird der Einstieg der Fahrgäste neu auf beiden Gleisen möglich sein, aufgrund der beidseitigen Anordnugn der Türen.
Der Betrieb wird über ein "Fahrdienstleiterassistenzsystem" zentral von Alpnachstad aus gesteuert und überwacht.

Umbau der Stationen
In der Talstation wird am heutigen Abstellgleis ein neues Perron gebaut. Damit kann der Fahrgastwechsel bei beiden Doppeltraktionen gleichzeitig erfolgen. Die Schiebebühne in der Talstation wird ausgebaut. Auch die Schiebebühne Obsee wird entfernt und durch zwei Gleiswender, wie sie heute bereits auf Pilatus Kulm in Einsatz sind, ersetzt. Ein neuer Kran ermöglicht das Beladen des Güterfahrzeuges, ohne das "in die Grube fahren" wie es bisher prakiziert wird.
In der Mittelstation gibt es neue Aussenperron, die erst dank der beidseitigen Türen möglich werden.
Bei der Bergstation werden wie bisher die Gleise 3 und 4 für die beiden Doppeltraktionen verwendet. Ein neuer Aufzug bringt Rollstuhlfahrer aus dem untersten Abteil auf die Höhe des Stationsausgangs. Über eine Passerelle gelangen sie ebenerdig und hindernisfrei vom Fahrzeug in die Bergstation und umgekehrt.

Verbleib der historischen Fahrzeuge
Die bestehenden Fahrzeuge aus dem Jahr 1937 können mit dem Halbstundentakt nicht mithalten und verschwinden deshalb aus dem Regelbetrieb. Voraussichtlich werden zwei Triebwagen einsatzfähig bleiben und für Sonderfahrten eingesetzt. Zwei weitere dienen als "Ersatzteilspender". Die restlichen Fahrzeuge werden abgebrochen, sofern nicht eine anderweitige Verwendung gefunden wird (z.B. als Ausstelungsstück in einem Museum).

Tagebuch

Freitag, 22. Januar 2021: Felsabtragung und Aushub beendet
Der Felsabtrag für das neue Perron und die Aushubarbeiten für die Gleiswender sind abgeschlossen. Nun wird mit dem Betonieren begonnen. So wird in den nächsten Wochen das abgetragene Trasse des Gleis 2 wieder entstehen. Dieses wurde abgetragen, um es an das Niveau des Gleis 1 anzupassen. Ausserdem werden die Gruben für die Gleiswender (Weichen) und das neue Perron betoniert. Im Frühling müssen die Gleisanlagen wieder für den Betrieb bereit sein.
Übersicht der Baustelle
Überblick über die Baustelle: Teile des Felsen wurden abgetragen und die Grube für die Gleiswender ausgehoben.

Baustelle bereit zum Betonieren
Als nächstes wird das Trasse des Gleis 2 wieder betoniert.

Mittwoch, 18. November 2020: Aufbau des Baukrans
Mit zwei Pneukränen wurde am morgen früh damit begonnen, den Baukran für die Umbauarbeiten an der Talstation zu errichten. In den kommenden Wintermonaten, während sich die Zahnradbahn in der Winterpause befindet, wird der Fels abgetragen um Platz zu schaffen für das neue bergseitige Perron. Ausserdem werden die beiden neuen Gleiswender eingebaut. Diese sind dann allerdings in der kommenden Saison 2021 noch nicht in Gebrauch.
Der Baukran steht
Der Baukran steht zwischen der Talstation und dem Depot

Der Baukran von Obsee aus gesehen
Blick von der Schiebebühne Obsee auf den Baukran

Der Baukran vom Depot aus gesehen
Der Baukran vom Depot aus gesehen

Meine persönliche Meinung

Ich begrüsse das Bekenntnis der PILATUS-BAHNEN AG zur Zahnradbahn, das mit dieser Investition zweifellos erbracht wird. Aus meiner Sicht verschwinden jedoch mit der Neukonzeption einige Elemente aus dem Betrieb, denen ich nachtrauern werden.
Zweifellos muss hier an erster Stelle das historische Rollmaterial genannt werden. Die Fahrzeuge sind das Ergebnis Schweizer Ingenieurskunst und strahlen eine zeitlose Eleganz aus. Die gepolsterten Sitzbänke oder die Fensterheber zum Kurbeln werden womöglich dem einen oder anderen Fahrgast fehlen. Mich fasziniert als Triebwagenführer insbesondere die elektrisch-mechanische Steuerung der Wagen. Es macht die Arbeit interessant und trägt zum Berufsstolz bei. Im Gegensatz dazu werden die Wagenführer mit dem neuen Rollmaterial - überspitzt gesagt - vom Lokführer zum Mitfahrer degradiert.
Gegen neues Rollmaterial ist grundsätzlich nichts einzuwerfen. Mit dem neuen Betriebskonzept mit Halbstundentakt, Wegfall der Schiebebühnen und dem Verkehr in Doppeltraktion fallen für mich jedoch wesentliche Charakteristika der Pilatus-Zahnradbahn weg. Zugverbände mit bis zu sechs Wagen sieht man sonst bei keiner Bahn, ebenso wenig den Einsatz von Schiebebühnen beim Fahrgastwechsel. Anders als heute, wo man als Wagenführer alle "seine" Gäste durch den Fahrgastraum sieht und hört, wird man durch die Doppeltraktion von einem Teil der Fahrgäste "abgeschnitten" sein. Dies, sowie die ferngesteuerten Türen, tragen dazu bei, dass der Kontakt mit den Gästen grösstenteils nicht mehr so persönlich sein wird wie bisher.
Ich hätte mir gewünscht, dass neue Fahrzeuge als einzelne Fahrzeuge beschafft werden als Ergänzung bzw. Teilersatz des bestehenden Rollmaterials. Bei geringem Andrang würden die modernen Fahrzeuge ausreichen und die historischen Wagen wären entlastet. Bei schönem Wetter käme man nach wie vor in den Genuss der alten Triebwagen, weil dann alle Fahrzeuge im Einsatz stehen. Diese Chance hat man mit dem vorliegenden Projekt leider verpasst.
Es bleibt zu hoffen, dass die historischen Triebwagen auch in Zukunft in Schuss gehalten und regelmässig für Fahrten ausserhalb des Fahrplans eingesetzt werden.

©2020-2020: Severin Wallimann

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